wenn gothics auf metaler, diese auf mittelalterfreunde und dazwischen sich der ein oder andere alternative oder verloren gegangene forums-gänger drängelt ist tortured souls in trier. die (!) party der schwarzen szene ist aus dem stickigen keller des ex-hauses die stufen empor zur schwarzen katze gekrochen. rein in die stadt, gothic & co sollen wohl salonfähig werden. nach 10 jahren ist dies der erste location-wechsel, welcher der party mehr als gut getan hat.
auch wenn die keller-atmosphäre im ex-haus eigentlich für sich steht, fallen mir im nachruf zu den partys dort nur unschöne zusammenfassungen ein. die akustik war mies, die luft zu stickig, die musik oft zu einseitig & die leute zu jung. ich mags auch gern dunkel und schummerig, alt und rustikal, solange es sauber ist. sauberkeit ist etwas womit das ex-haus nicht punkten kann. klar es liegt an der location, aber diese muss ja auch von irgendwem ausgewählt werden.
ganz anders am kornmarkt. das
chat noir ist ein sehr gemütlicher saal mit raucher-lounge & sauberen toiletten. einige der mitarbeiter machen zwar noch einen leicht irritierten eindruck, wenn sie sehen, wen sie so da alles bedienen. mein erster blick fiel auf den kronleuchter, der natürlich aus war, dann auf die dicken schweren roten vorhänge an den festern. damit der mond nicht hineinscheinen konnte wurden beige-farbene rollos hinutergelassen, über deren farbe sich streiten lässt. aber ich will ja nicht kleinlich sein. an den seiten fanden sich sehr gemütliche sitzgruppen. zusätzlich gab es stehtische, hocker und der platz an der bar oder auf der tanzfläche. die preise hielten sich im rahmen. 2,50€ kosteten bier & met, zusätzlich gabs cocktails und die non-alcohol ecke. auch sonderwünschen kamen die höflichen kellner nach: "habt ihr kirchsaft für den met?" -"öhm kirschsaft, ich glaube nicht. wie wärs mit cranberry?" "ok." "wieviel soll rein?" "na so, dass es blutrot ist."
auffallend war, dass sich passend zum ambiente auch die besucher wandelten. wenn ich so gemein sein soll: die "schmuddeligen" blieben anscheinend zu hause. das barocke ambiente zog auch den sehr auf ästhetik bedachten teil der szene an. für mich absolut positiv zu bemerken ist der stark gestiegene altersdurchschnitt. so zählte ich nicht mehr zu den alten säcken, sondern zum unteren mittelfeld. wo sich früher oft musikalische beschränktheit breit machte, zeigte sich gestern im chat noir eine tanzbare vielfalt der verschiedenen stile & epochen. nur eines muss hier gesagt werden: der
spielmannsfluch von in extremo ist, war und wird nie betanzbar sein! so wahr ich auf der tanzfläche rumhampel. klar fanden sich auch einige lieder, die nicht meinem geschmack entsprachen. jedoch war die musik so gut abgestimmt, dass ich nicht mehr als 3 song-längen warten musste, bis mein ohr wieder vor dunkler freude pochte.
für mich ein wenig lustig mitanzusehen war, dass sich zu späterer stunde immer mehr "normale" leute von den kneipen drunter nach oben zu wagen schienen. unter dem chat noir befinden sich das wirtshaus & das hauptmanns. beide ziehen ein stark abweichendes publikum an. es hat zwar einerseits was amüsantes, allerdings find ich es auch andererseits ein wenig störend. nach dem ersten kulturschock, der wirklich jedem ins gesicht geschrieben stand & dem ein oder anderen bier, bekamen sie angst vor der eigenen courage. noch ein paar bier mehr wagten sie sich das tanzbein zu schwingen. & es passiert das, was man erwartet: forum-tanz-stil meets den "totengräber". eines muss man den mutigen zu gute halten: erst der kulturschock, die musik, die tatsache zu verdauen, der einzige "bunte" zu sein, der neue tanzstil .... es kann die leute überfordern. so tanzt dann halt ein kerl zu asp's
ich will brennen in alter hiphop manier, was dann einen leicht komödiantischen beigeschmack hat.
ich kann nur sagen, dass sich der ausflug in triers schwarze szene endlich mal wieder gelohnt hat! ich denke, dass auch die besucherzahlen dafür sprechen. ich habe lange nicht mehr so viele menschen auf der tortured souls in trier gesehen. eigentlich um ehrlich zu sein, habe ich noch nie so viele menschen auf der tortured souls gesehen. vlt in ihren anfangszeiten. aber in den letzten jahren nicht mehr. da fiel die wahl eher auf das saarbrücker roxy. doch nun ist der weg endlich wieder kurz.
in diesem sinne: auf brennende fußsohlen nach einer durchtanzten nacht.
die nächste tortured souls findet am 1. freitag des monats wieder im chat noir in trier statt.