in extremo ganz leise in köln - 22.12.2009
ich wollte töne schmecken können...
jeder klang an seinem platz, jedes instrument steht für sich, jeder ton unüberhörbar und so laut, obwohls so leise ist.
in den letzten jahren habe ich mir aus beruflichem und privatem interesse viele in extremo konzerte angeschaut. tendenziell ist eine steigerung von tour zu tour zu erkennen, aber es gab auch musikalische und tourtechnische rückschläge. als ich mir gestern das letzte konzert der tranquilo-akustik-tour anschaute waren meine erwartungen ehrlich gesagt gemischt. immerhin hab ich die jungs noch nie so leise gehört, bis auf das akustik-radio-konzert, dass ich am liebsten vergessen möchte. und so fragte ich mich, ob das zusammenspiel am letzten tourtag noch sitzt und war gespannt auf neue arrangements alter songs. musikalisch waren in extremo schon immer gut. doch in köln sind sie besser als sie je waren. obwohl es sich bei keiner anderen band so sympathisch anhört, wenn mal ein ton daneben geht. doch gestern wurde der ton überhört, auch wenn jeder einzelne lange nachhallte. in köln beeindrucken sie mich so sehr, dass ich ehrlich sagen kann: sie haben all den guten konzerte, die ich von den jungs hörte, in einen akusitschen nebel eingehüllt und mehrfach den finger gezeigt. die bühne chic und gemütlich. alles andere als übervoll an kaltem equipement, wie die schrecklichen led's der sängerkrieg-tour. ein sofa für den sänger, hocker und cajon für die anderen mannen. wohnzimmer-atmosphäre. nie ist es so leise, wenn die band die bühne betritt. nie wirkt das publikum so gespannt. dann eröffnen die merseburger zaubersprüche I den musikalischen abend, der neue maßstäbe für die kommenden in extremo-konzerte setzen wird. nie hat jedes instrument für sich seine wirkung so entfalten können. dr. pymonte musste die harfe nicht in die mitte der bühne schleppen um den vollmond anzustimmen. er hätte wahrscheinlich im tourbus bleiben können. aus dem hinteren bühnenecken lugt gitarrist van lange kaum hervor, aber va er soll über den abend hinweg unüberhörbar bleiben. selten hat die band eine solche vielfalt von sich gezeigt. der glockenklang am anfang und ende von unter dem meer hallt bis zum ende im zuhörer-ohr. feinheiten, die sonst einfach untergehen. ein akustik-konzert ist die königsklasse. va für eine band wie in extremo, die sonst mit lauten tönen und viel pyro um sich wirft. obwohl das alles fehlte, fehlte einfach nichts. totale harmonie und einklang. das ohr weiss nicht wo es zuerst hinhören soll. jedes instrument und jeder ton ist wie ein gewürz, eine geschmacksnuance beim perfekten essen. der sinn ist berauscht und am liebsten möchte man den geschmack festhalten. gesättigt geht der zuhörer sicher nicht nach hause, nur angefüttert und das ohr lechzt nach mehr. auch wenn ich das ein oder andere arrangement vielleicht nicht mag, so steht außer frage, dass die interpretationen musikalisch für sich stehen. sieben köche oder die gier sind zu übervoll an instrumenten, die neu-interpretation von nur ihr allein gewöhnungsbedürftig. doch das ändert nichts an der beeindruckenden leistung der spielmänner. ehrlich habe ich lange überlegt was ich sagen kann, aber noch nie bin ich aus einem konzert gegangen und war einerseits so beeindruckt und gleichzeitig zu unfähig dies auszudrücken...zum ersten mal muss, nein ich kann einer band sagen: RESPEKT!
